Die erste Hautpflege unseres Lebens

Die Vernix caseosa – auch Käseschmiere genannt – bildet bereits vor der Geburt eine besondere Schutzschicht auf der Haut des Babys.
Nein, ich bin NICHT schwanger. 😄
Aber irgendwie scheint sich mein Umfeld gerade fleißig zu vermehren. 🤣
Und wie das so ist: Plötzlich begegnen einem wieder Themen, mit denen man sich sonst im Alltag kaum beschäftigt.
Bei mir bleibt dabei natürlich besonders alles hängen, was mit Haut zu tun hat.
So bin ich wieder bei einem faszinierenden Thema gelandet: die allerersten „Hautpflege“ unseres Lebens.
Denn lange bevor wir Cremes, Öle oder Seifen kennenlernen, passiert mit unserer Haut schon unglaublich viel. Sie entsteht bereits sehr früh im Mutterleib, entwickelt nach und nach ihre Schutzfunktion und bekommt noch vor der Geburt eine ganz besondere Schutzschicht mit auf den Weg.
Die Rede ist von der Vernix caseosa – besser bekannt als Käseschmiere.
Und auch wenn der Name nun wirklich nicht besonders glamourös klingt 😄 – was sich dahinter verbirgt, ist mehr als beeindruckend.
Wie entsteht unsere Haut eigentlich?
Ganz am Anfang unserer Entwicklung entstehen drei sogenannte Keimblätter:
Ektoderm, Mesoderm und Endoderm.
Vielleicht fällt dabei etwas auf: Überall steckt „derm“ drin. Das griechische derma bedeutet „Haut“.
Für unsere Haut sind vor allem Ektoderm und Mesoderm wichtig.
Aus dem Ektoderm entsteht die spätere Oberhaut – die Epidermis.
Die darunterliegende Lederhaut, die Dermis, entsteht größtenteils aus mesodermalem Gewebe.
Keine Sorge, das wird keine Vorlesung in Embryologie. 😉
Faszinierend finde ich aber den Gedanken:
Aus zunächst wenigen Zellschichten entsteht
innerhalb weniger Monate ein komplexes Schutzorgan.
Die Haut wird vielschichtiger, eine Hornschicht entsteht, Haarfollikel und Talgdrüsen entwickeln sich und die Haut bereitet sich nach und nach auf das Leben außerhalb des Mutterleibs vor.
Die Haut lebt monatelang im Wasser
Und genau hier wird es interessant.
Wir Erwachsenen kennen es von einem ausgedehnten Bad: Bleiben wir lange im Wasser, verändert sich unsere Haut.
Die Haut eines ungeborenen Kindes ist dagegen über Monate von Fruchtwasser umgeben – und währenddessen muss sich ihre Hautbarriere überhaupt erst entwickeln.
Dafür gibt es eine bemerkenswerte Lösung: Vernix caseosa
Was ist Käseschmiere?
Käseschmiere ist die weißlich-cremige bis wachsartige Schicht, die besonders gegen Ende der Schwangerschaft auf der Haut eines Babys zu finden ist.
Sie entsteht unter anderem aus abgestoßenen Hautzellen und Bestandteilen der Talgdrüsensekrete und breitet sich über die Haut des ungeborenen Kindes aus.
Und jetzt wird es für mich als Kosmetikherstellerin natürlich besonders spannend. 😄
Vernix caseosa besteht ungefähr aus:
80 % Wasser
10 % Lipiden
10 % Proteinen
Das Wasser befindet sich dabei vor allem in stark hydratisierten Hautzellen. Die Lipidfraktion enthält verschiedene hautrelevante Fettbestandteile.
Wenn man sich beruflich mit kosmetischen Formulierungen beschäftigt, ist diese Zusammensetzung schon bemerkenswert.
Noch bevor ein Mensch überhaupt weiß, was eine Creme ist, ist seine Haut bereits von einer komplex zusammengesetzten Schicht aus Wasser, Lipiden, Proteinen und Hautzellen umgeben.
Fast könnte man sagen:
Unsere allererste „Hautpflege“ bringen wir bereits mit.
Welche Aufgaben hat die Käseschmiere?
Die Vernix ist keineswegs einfach nur etwas, das nach der Geburt möglichst rasch entfernt werden muss.
Bereits im Mutterleib trägt ihre besondere Struktur dazu bei, die sich entwickelnde Haut während der Reifung der Hornschicht vor übermäßiger Wassereinwirkung zu schützen.
Mit der Geburt ändert sich für die Haut innerhalb kürzester Zeit alles:
Gerade noch war sie ständig von Fruchtwasser umgeben und plötzlich befindet sie sich in einer vergleichsweise trockenen Umgebung.
Auch bei diesem Übergang unterstützt die Vernix die Haut.
Und das ist nicht nur eine schöne Vorstellung: Wissenschaftliche Untersuchungen zur Vernix caseosa zeigen, dass das Belassen auf der Haut unter anderem mit einer besseren Hautfeuchtigkeit bei Neugeborenen verbunden ist. Außerdem enthält sie Bestandteile der angeborenen Immunabwehr und antimikrobiell wirksame Proteine.
Muss Käseschmiere nach der Geburt abgewaschen werden?
Nein, sie muss nicht möglichst schnell verschwinden.
Die WHO empfiehlt sogar bei gesunden und termingeborenen Neugeborenen, das erste Bad frühestens, wenn überhaupt notwendig, 24 Stunden nach der Geburt stattfinden zu lassen.
Die verbleibende Vernix darf also zunächst auf der Haut bleiben und dort ihren natürlichen Weg nehmen.
Und genau dieser Gedanke gefällt mir besonders gut.
Müssen wir unserer Haut immer sofort helfen?
Wir beschäftigen uns heute unglaublich viel damit, was wir unserer Haut zuführen können:
Welches Öl?
Welcher Wirkstoff?
Welche Creme?
Welche Reinigung?
Natürlich ist gezielte Hautpflege sinnvoll und wichtig.
Aber es lohnen sich auch die umgekehrten Fragen:
Was kann unsere Haut eigentlich selbst?
Wo wäre weniger Eingreifen vielleicht mehr?
Schon lange vor unserer Geburt beginnt unsere Haut damit, eine Barriere aufzubauen, sich an veränderte Bedingungen anzupassen und eigene Schutzmechanismen zu entwickeln.
Für mich bedeutet gute Hautpflege deshalb nicht zwangsläufig, möglichst viel auf die Haut aufzutragen, sondern
die Haut verstehen,
ihre natürlichen Funktionen respektieren
und dort unterstützen, wo es sinnvoll ist.
Das könnte dich auch interessieren:
Warum nicht jeder Keim unser Feind ist erfährst du in meinem Beitrag über Hautmikrobiom & Keime und Händehygiene.
Je mehr ich darüber lerne, desto mehr staune ich
Bei solchen Themen komme ich irgendwann immer an einen Punkt, an dem das reine Fachwissen in Staunen übergeht.
Aus wenigen Zellen entwickeln sich unterschiedliche Gewebe. Eine funktionierende Hautbarriere entsteht. Talgdrüsen beginnen ihre Arbeit. Und noch vor der Geburt entsteht eine besondere Schicht, deren Eigenschaften genau in dieser außergewöhnlichen Phase des Lebens hilfreich sind.
Durch Naturwissenschaft & Forschungen können wir noch viel mehr die Vorgänge wahrnehmen, welche so perfekt ineinander greifen.
Und gerade kommt in mir die Frage auf:
Hat sich die äußerst perfekte und ausgewogene Formulierung für die so sensible Haut eines Fötus und Neugeborenen tatsächlich selbst entwickelt
ODER
steckt hinter dieser Präzision und Genauigkeit ein intelligenter Designer?
Eines steht für mich fest:
Je mehr ich über unsere Haut lerne,
desto faszinierender wird sie für mich
und desto mehr Ehrfurcht habe ich vor dem Wunder des Lebens.
Und ausgerechnet die wenig glamourös klingende Käseschmiere ist dafür ein wunderbares Beispiel.
Bleibt auch ihr fasziniert vom “Wunder des Lebens” ☺️

Quellen:
1. Alibardi, L. (2023):
Introduction to the Development of Skin in Vertebrates. Journal of Developmental Biology, 11(1), 7.
→ Für die embryonale Entwicklung von Epidermis und Dermis.
Publikation öffnen.
2. Nishijima, K., Yoneda, M., Hirai, T. et al. (2019):
Biology of the vernix caseosa: A review. Journal of Obstetrics and Gynaecology Research, 45(11), 2145–2149.
→ Für Entstehung, Zusammensetzung und Funktionen der Vernix caseosa.
Publikation öffnen.
3. Visscher, M. O. et al. (2011):
Neonatal skin maturation – vernix caseosa and free amino acids. Pediatric Dermatology, 28(2), 122–132.
→ Haut mit belassener Vernix zeigt eine höhere Hautfeuchtigkeit als Haut, von der die Vernix entfernt wurde.
Publikation öffnen.
4. World Health Organization (WHO):
Caring for a newborn.
→ Die WHO empfiehlt, das erste Bad eines Neugeborenen mindestens 24 Stunden nach der Geburt durchzuführen.
Publikation öffnen.